Kleine Wohnungen sind derzeit besonders gefragt. Während es viele Jahre lang eher ein Trend zu großen Wohnungen gab, werden derzeit sehr viele kleine Wohnungen gesucht.
Das liegt zum einen an der Zunahme kleiner Haushalte. Die "Singularisierung" - also der Trend zum Einpersonenhaushalt - ist eine der prägendsten sozialen Entwicklungstendenzen in Deutschland in den letzten Jahrzehnten.
Im Jahr 1994 lag der Anteil der Einpersonenhaushalte noch bei 34 %, 30 Jahre später macht diese Gruppe bereits gut 42 % aus. In Großstädten, wie Hamburg, Berlin oder München, erreichen die Single-Haushalte sogar Anteile von rund 55 %.
Diese Entwicklung ist das Ergebnis weitreichender demographischer, ökonomischer und sozio-kultureller Veränderungen. Hierzu zählen u. a. die folgenden Faktoren:
Es gibt bei dieser Entwicklung aber ein massives Gefälle zwischen den urbanen Zentren und dem "flachen Land":
Ganz wesentlich für die starke Nachfrage nach kleinen Wohnungen ist die geringere absolute Mietbelastung aufgrund der kleinen Fläche. Während größere Wohnungen zwar oft einen niedrigeren Quadratmeterpreis haben, ist die monatliche Gesamtmiete bei kleineren Einheiten deutlich niedriger und damit für viele Haushalte finanziell leichter tragbar. Damit umfasst die Zielgruppe für kleine Wohnungen durchaus auch größere Haushalte.
Diese Entwicklungen haben gravierende Folgen für den Wohnungsmarkt. Die Haushaltsstruktur verändert sich schneller als der Bestand reagieren kann. Grund dafür sind die geringen Neubauzahlen. Gemessen am Bestand ist der Anteil des Neubaus sehr gering.
Daraus resultieren typische Strukturdefizite:
Abb. 1 Wohnungsbestand in Deutschland
Quelle: Statistisches Bundesamt
Eine Verbesserung der Situation durch eine Ausweitung des Angebots an kleinen Wohnungen ist praktisch nur durch Wohnungsneubau zu erreichen. Hier zeichnen sich aber keine entsprechenden Entwicklungen ab. Denn die Gesamtwohnfläche aller Wohnungen stieg in den Jahren von 2014 bis 2024 etwas stärker als die Zahl der Wohnungen. Die Wohnungen in Deutschland wurden somit im Durchschnitt größer: Die Wohnfläche je Wohnung hat sich seit dem Jahr 2014 um 2,5 Quadratmeter (+2,8 %) und die Wohnfläche pro Person um 2,7 Quadratmeter (+5,8 %) erhöht.
Insbesondere in den Großstädten zeichnet sich allerdings schon seit einigen Jahren ab, dass - auch im Eigentumsbereich - wieder kleiner gebaut wird. Dadurch wird es möglich, trotz gestiegener Baukosten auch an besseren Standorten Wohnungen zu errichten, die von den Gesamtkosten her noch erschwinglich bleiben.
Das bedeutet aber nicht, dass genügend kleine Wohnungen errichtet werden. In Hamburg hatten 2024 bei den Mehrfamilienhaus-Neubauten die Wohnungen mit ein und zwei Räumen einen Anteil von 50 %, in Berlin waren es immerhin 57 %. In der Hauptstadt entfällt aber mehr als die Hälfte dieser kleinen Wohnungen auf Wohnungen mit nur einem Raum - hierbei dürfte es sich also in der Regel um Micro-Apartments handeln, da im "normalen" Wohnungsbestand nur noch sehr selten Wohnungen mit nur einem Raum errichtet werden. Auch in Hamburg entfällt rund ein Drittel der neugebauten kleinen Wohnungen auf dieses Spezial-Segment.
Micro-Apartments können zwar kurzfristig Druck aus dem lokalen Wohnungsmarkt nehmen, aber sie lösen das strukturelle Problem "kleine, bezahlbare Wohnungen für dauerhafte Haushalte" u. a. aus folgenden Gründen oft nicht:
Wenn ein großer Teil des Neubaus in Micro-Formate geht, fehlen oft Wohnungen im "klein, aber normal"-Segment, z.B. 35 bis 55 m², die für Singles und Paare langfristig funktionieren. Noch kompakt, aber alltagstauglich.
Abb. 2 Neubau von Micro-Apartments
Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft Köln
Es zeichnet sich also ab, dass sich die Situation im Hinblick auf kleine Wohnungen in absehbarer Zeit nicht wesentlich verbessern wird; insbesondere in den Großstädten wird der Nachfragedruck sehr hoch bleiben.
Das Hauptproblem ist dabei oft nicht der Wille zum entsprechenden Neubau, sondern die Wirtschaftlichkeit. Die Erstellungskosten pro Quadratmeter liegen bei kleinen Wohnungen tendenziell 20 bis 30 % höher als bei größeren Familienwohnungen. Bad und Küche sind die teuersten Räume einer Wohnung. In einer kleinen Wohnung fallen diese Kosten auf viel weniger Quadratmeter an, was den Quadratmeterpreis im Vergleich zu großen Wohnungen in die Höhe treibt. Schallschutz und Belüftung müssen für jede Wohneinheit separat installiert werden. Viele kleine Wohnungen bedeuten mehr Leitungen, Schächte und Türen. Entsprechend müssen entweder die Mieten sehr hoch sein (was sozial problematisch ist) oder es muss durch Baukostensenkungen gegengesteuert werden.
Trotz höherer Quadratmeter-Mieten sind kleine Wohnungen aber aufgrund ihrer geringeren Gesamtbelastung für viele Haushalte attraktiv.
Um den Bau kleiner Wohnungen zu fördern, kommen vor allem regulatorische und finanzielle Instrumente zum Einsatz: